Vielleicht haben Sie ja selbst hin und wieder schon einmal bemerkt, dass kleine Gruppen anders funktionieren als größere Gruppen. In kleinen Gruppen wirken andere Faktoren, die sich auf Stimmung oder Produktivität auswirken. In diesem Beitrag geht es um eine sehr spezielle Gruppe, die oftmals instabiler ist, als viele andere, es aber natürlich nicht sein muss: Dreier-Teams – auch als Triaden bezeichnet.

Der deutsche Psychologe Fritz Heider hat sich in seiner Balancetheorie intensiv mit Gruppendynamiken auseinandergesetzt. Seine Theorie wollen wir hier etwas näher beleuchten und anhand einer Triade illustrieren.

Gruppen, die aus 3 Personen bestehen, sind nicht nur im privaten Alltag häufig anzutreffen, nein auch im Berufsleben sitzen häufig 3 Personen in einem Büro und arbeiten eng zusammen, in der Politik wird teilweise von der sogenannten Troika gesprochen. Triaden sind oft instabiler als andere Gruppen, die zum Beispiel nur aus 2 Personen oder gar 4 Personen bestehen. Gibt es dafür einen Erklärungsansatz?

Heider hat sich in seiner Theorie nicht auf die Objekte oder Personen selbst konzentriert – für ihn standen vor allem die Beziehungen zwischen den Personen im Vordergrund. Schauen wir uns dazu die folgende Grafik einer Triade an, unser Dreier-Team besteht dabei aus Anton, Brigitte und Christian:

Uns interessieren nun nicht die Personen selbst, sondern nur die Gruppe und ihre Beziehungen untereinander, die hier in den Kästchen als Zahlen dargestellt werden. Heider bezeichnete diese auch als Relationen. Wir haben es bei diesem Modell mit einem stark vereinfachten, aber nicht minder effektivem Instrument zur Beschreibung und Erklärung zu tun. Die Beziehung zwischen Brigitte und Christian wird in Kästchen 2 dargestellt, wenn sich beide gut verstehen, also eine positive Bindung haben, wird Kästchen 2 positiv. Wenn Christian sich mit Anton ebenfalls gut versteht – dargestellt durch Kästchen 3 –, aber Brigitte und Anton ein schlechtes Verhältnis haben, ergibt sich das folgende Bild:

Wie können wir nun anhand der einzelnen Relationen eine Aussage darüber machen, ob das Team insgesamt stabil oder instabil ist? Die Antwort auf diese Frage steht hinter einer relativ simplen mathematischen Operation: Man multipliziere die Vorzeichen aller Relationen miteinander und erhält als Ergebnis entweder „+“ oder „ –“, wobei plus auf eine stabile Gruppe hindeutet und minus auf Instabilität hinweist. Natürlich ist dieses Modell aufgrund der künstlich erzeugten Dichotomien sehr vereinfacht – normalerweise sind Beziehungen zwischen Personen, als auch das Urteil über die Gruppe selbst, nicht ausschließlich mit den Kategorien gut oder schlecht bzw. stabil oder instabil zu beschreiben. Aber dennoch gerade hier zeigt das Modell durch seine Einfachheit seine Stärke, nämlich dass komplexe empirische Sachverhalte simplifiziert in der Theorie veranschaulicht werden können und zur Erklärung zumindest beitragen.

Jetzt aber zurück zu unserem Beispiel. Wir hatten festgestellt, dass Christian mit Anton als auch mit Brigitte ein gutes Verhältnis hat und nur Brigitte und Anton sich nicht allzu sehr mögen. Laut der Formel ergibt sich das Ergebnis für die Gruppe insgesamt durch Multiplikation der einzelnen Vorzeichen der Beziehungen. Konkret hieße das:

(–) * (+) * (+) = (–)

Das Ergebnis ist negativ, die Gruppe ist also instabil. Und in der Tat scheint diese Konstellation ungünstig für die Gruppe und die beteiligten Personen. Christian kommt mit beiden gut klar, muss aber womöglich die Streitereien der beiden anderen mit ansehen. Für Anton und Brigitte gilt, dass sie nur eine Bezugsperson haben, nämlich Christian, der eventuell dann in einem Konflikt steht, wenn er entscheiden muss, mit wem von den beiden er denn heute zur Mittagspause geht.

Sehen wir uns im nächsten Teil nun die beiden Extreme an, zum einen, dass alle Beziehungen positiv sind und zum anderen, dass alle negativ sind.

Wenn alle Beziehungen positiv sind, ergibt sich in unserer Gleichung

(+) * (+) * (+) = (+)

ein einleuchtendes und klares Ergebnis: Alle verstehen sich gut und das Team ist stabil. Sind hingegen alle Beziehungen negativ, so zeigt sich, dass

(–) * (–) * (–) = (–)

das Team instabil ist. Ebenfalls kaum verwunderlich, wenn keiner den anderen mag, kann das Team nicht stabil sein.

Interessant wird es, wenn wir es mit der folgenden Konstellation zu tun bekommen:

Brigitte und Christian verstehen sich gut, Anton versteht sich weder mit Brigitte noch mit Christian. Für die Gruppe ergibt sich nun:

(–) * (+) * (–) = (+)

Das Team ist also stabil und auch dieses Ergebnis scheint logisch zu sein. Anton ist der klare Außenseiter, da sind sich Brigitte und Christian einig. Die Frage, wer hier mit wem zum Mittagessen geht, ist glasklar zu beantworten. In diesem Fall ist es auch eher wahrscheinlich, dass Anton auf beide zugehen wird (die sich ja gut verstehen), um das Verhältnis zu verbessern, oder umgekehrt, dass die beiden gemeinsam (!) auf Anton zugehen. Der momentane Zustand ist stabil, auch wenn die negativen Beziehungen überwiegen (2:1).

Sollten Sie also gerade Ihre Büros neu planen, so vermeiden Sie – wenn möglich – Dreier-Teams, sondern setzen Sie nur 2 oder gleich 4 Personen zusammen. Instabile Gruppen arbeiten weniger effizient und sind weniger produktiv, da Intragruppen-Konflikte einen hemmenden und negativen Effekt auf das Betriebsklima ausüben – sind doch die Mitarbeiter unbestritten das wichtigste und wertvollste Kapital eines Unternehmens. Hier gilt es, auch im Kleinen möglichst optimale Bedingungen zu schaffen  und dadurch vielleicht wieder ein kleines Stück erfolgreicher zu werden.

Über den Autor


Erik Kirst hat Psychologie mit Schwerpunkt Statistik und quantitative Methoden studiert. Er berät Wissenschaft, Forschung und Unternehmen bei der Planung, Auswertung und Interpretation von Studien und veranstaltet Coachings und Seminare zu statistischen Fachthemen.

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